Der Flugtag an der Mittelschule St. Stefan hat inzwischen einen festen Platz im Jahreskalender – gleich irgendwo zwischen zaghaft aufkommender Schulschluss-Stimmung und der leisen Hoffnung, die Meisterwerke der Aerodynamik würden es dieses Mal auch über das Balkongeländer schaffen. Heuer ging das Spektakel bereits in die fünfte Runde und man merkte abermals sofort: Das ist kein gewöhnlicher Schultag. Das ist Luftfahrtgeschichte – oder zumindest fast. Denn in diesem Jahr wusste die Mittelschule St. Stefan ob Stainz bei herrlich frühsommerlichem Wetter groß aufzutrumpfen und hatte das eine oder andere Ass im Ärmel: zum Beispiel ein echtes Fliegerass. Mit dem ehemaligen Bundesheer-Kampf- und späteren Langstrecken-Piloten Andreas „Andy“ Müller war ein waschechtes Flieger-Ass am Start, das aber ausnahmsweise am Boden blieb und den gesamten Flugtag mit seiner Drohne festhielt. Aus der Vogelperspektive entstanden einzigartige und spektakuläre Aufnahmen, die den Schulflugtag und die besondere Atmosphäre aus einer ganz neuen Perspektive zeigen.
Schon am Vormittag sammelte sich alles, was Rang und Namen hat: die gesamte Mittelschule, eine gleichermaßen neugierige wie auch gut gelaunte Volksschule, der Bürgermeister Stephan Oswald mit prüfendem Blick und die Raiffeisenbank St. Stefan ob Stainz. Letztere schickte ein besonders ambitioniertes Projekt ins Rennen: einen fliegenden Tresor. Das Prinzip des Flugtags ist schnell erklärt: Schülerinnen und Schüler bauen ihre eigenen Fluggeräte und werfen sie anschließend vor den Augen der vielen Besucherinnen und Besucher vom Balkon der Schule. Was folgt, ist eine Mischung aus Hoffnung, Physik und kontrolliertem Absturz. Bewertet wird dabei allerdings nicht nur, wie gut die Geräte tatsächlich fliegen. Vielmehr rückt die Kreativität der einzelnen Gruppen in den Fokus. Eine kluge Entscheidung, denn die Flugeigenschaften lassen sich oft mit einem einzigen Wort zusammenfassen: „kurz“. Und dass die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule St. Stefan ob Stainz für ihre außergewöhnliche Kreativität bekannt sind, haben sie ohnehin schon des Öfteren unter Beweis gestellt. So auch dieses Mal.
Die Konstruktionen der Schülerinnen und Schüler reichten von erstaunlich durchdacht bis „das hält schon irgendwie“. Von einer fliegenden Krampusmaske, einem voll funktionsfähigen Katapult, imposanten Schiffen, Spielfiguren aus „Clash Royale“, Burger und Pizza, Dagobert Duck, Thors Hammer oder Minions – es war alles dabei, was das kreative Bastler-Herz begehrt. Manche Modelle glitten schließlich tatsächlich ein paar Meter durch die Luft, andere entschieden sich bereits beim Verlassen des Balkons für eine eher direkte Beziehung zum Boden. Früher oder später wurden freilich alle Flugobjekte Opfer der Schwerkraft. Und so musste sich im Anschluss die Jury zusammensetzen und die überaus schwierige Entscheidung treffen, welche der liebevoll konstruierten Meisterwerke es letzten Endes auf das Podest schaffen würden. Einige Tage später stieg dann doch weißer Rauch über der Mittelschule St. Stefan ob Stainz auf. Man konnte sich einigen. Bis zur Siegerehrung am darauffolgenden Freitag drangen keine der streng geheimen Jury-Informationen nach außen. Dementsprechend groß war auch die Spannung, als die Siegerinnen und Sieger bekanntgegeben wurden.
Der dritte Platz ging an „Bobby“, ein vor Selbstvertrauen (und Selbstüberschätzung) strotzendes Minion, das nicht nur gut aussah, sondern auch mit erstaunlichen Flugeigenschaften überraschte. Der zweite Platz, „Fliegender Uhrturm“, sorgte ebenfalls für Begeisterung – nicht nur wegen seiner Bauweise, sondern auch wegen des deutlich sichtbaren Sturm-Graz-Logos. Ob das dem Flugverhalten geholfen hat, ist unklar, aber es hat definitiv die Herzen eines Teils des Publikums gewonnen. Und schließlich der große Sieger: „Captain Hooks Untergang“. Ein Name, der bereits andeutet, dass hier jemand nicht nur an Aerodynamik gedacht hat, sondern auch an Dramaturgie. Das Fluggerät überzeugte mit Kreativität, Charme und – man glaubt es kaum – tatsächlich respektablen Flugeigenschaften. Es segelte durch die Luft, als hätte es zumindest eine grobe Ahnung davon, was es da tut.
Sämtliche Schülerinnen und Schüler sind sich darüberhinaus einig, dass Frau Schöngrundner als „Siegerin der Herzen“ des Flugtages 2026 in die Geschichte eingeht. Denn sie verkörperte mit einer äußerst spektakulären (wenn auch nicht ganz freiwilligen) Flugeinlage inmitten der Fans den Geist des Flugtages wie sonst niemand und sorgte damit zusätzlich für große Begeisterung. Verletzt wurde im Übrigen niemand.
Am Ende des Tages war klar: Der Flugtag, der heuer unter dem Motto „alles kann fliegen“ stand, ist kein Wettbewerb im klassischen Sinn. Es ist ein Fest der gemeinsamen Ideen, des Bastelns und des gepflegten Scheiterns. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum bereits jetzt die Vorfreude auf den nächsten Start wieder spürbar ist und der ein oder andere Plan vermutlich schon geschmiedet wird.
Die Mittelschule St. Stefan ob Stainz bedankt sich bei Frau Mag. Aichholzer sowie den zahlreichen Schülerinnen und Schülern der vierten Klassen für die Organisation und Moderation des unglaublich amüsanten und skurrilen Tages.
