Wenn eine Schulwoche mit einem Koffer voller Erwartungen beginnt und mit einem Koffer voller Geschichten endet, dann war es wohl eine richtig gute Zeit. So geschehen bei der Wien-Woche der 4. Klassen der Mittelschule St. Stefan ob Stainz – und ja, das Wetter hatte offenbar ebenfalls beschlossen, mit auf Exkursion zu gehen und sich von seiner allerbesten Seite zu zeigen.
Bereits die Hinfahrt hatte es in sich: Mit einem Zwischenstopp im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen wurde ein stiller, nachdenklicher Akzent gesetzt. Das passiert eben, wenn man den Geschichte-Lehrer mit auf die Reise nimmt. Zwar zeigte der bedrückende Besuch eine starke Wirkung bei den Jugendlichen, dennoch wechselte die Reisegruppe (wie zuvor auch vereinbart) nach einer gewissen Zeit wieder in den fröhlichen Reise-Modus.
Angekommen im äußerst stilvollen JUFA City Wien zeigte sich dann schnell: Hier lässt es sich wahrlich aushalten. Am nächsten Tag wartete schon das erste Highlight – für viele überraschenderweise die U-Bahn. Was für Wiener Alltag ist, wurde für die Schülerinnen und Schüler zur kleinen Attraktion. Am Stephansdom angekommen, wurde es nach einer spannenden Führung schließlich auch noch düster. Die Katakomben sorgten für staunende Gesichter und den einen oder anderen Grusel-Moment. Danach durften alle am Stephansplatz ein wenig ihre neu entdeckte Großstadtfreiheit genießen: essen, shoppen, bummeln – dieses Angebot wurde selbsterklärend dankend angenommen.
Am Nachmittag folgte mit „Time Travel“ eine geniale Reise durch die Wiener Geschichte. VR-Brillen, 4D-Effekte und das Gefühl, mittendrin statt nur dabei zu sein inklusive. So erlebten die Jugendlichen die regelrecht überwältigend umfangreiche Geschichte Wiens auf spektakuläre, anschauliche und allen voran leicht verständliche Weise. Der Abend führte schließlich hoch hinaus – auf den Donauturm. Und als hätte jemand das Drehbuch geschrieben, erwischte die Reisegruppe aus St. Stefan ob Stainz dort genau den Sonnenuntergang. Während die einen einfach nur die Aussicht genossen, bewiesen andere echten Mut: Die durchsichtige Rutsche in rund 170 Metern Höhe wurde von zahlreichen Schülerinnen und Schülern – und einer gleichermaßen furchtlosen wie auch unermüdlichen Lehrerin – bezwungen. Respekt!
Der Mittwoch begann mit einem Spaziergang vom Schloss Belvedere über die Karlskirche bis zum Naschmarkt etwas ruhiger. Dort zeigte sich Wien einmal mehr von seiner genussfreudigen Seite – internationale Küche, exotische Snacks und vermutlich auch die eine oder andere kulinarische Mutprobe standen somit auf dem Programm. Der Nachmittag stand schließlich ganz im Zeichen der tollen Wiener Museen: Ob Heeresgeschichtliches Museum, Naturhistorisches Museum oder Technisches Museum – die Auswahl für die Schülerinnen und Schüler war groß, und die Begeisterung ebenfalls. Der Abend klang schließlich entspannt im Kino aus; mit jede Menger Popcorn, versteht sich.
Der Donnerstag brachte dann ein echtes Highlight politischer Natur: Nach einer Führung durch das Parlament traf die Gruppe auf den Spitzenpolitiker Philip Kucher, Klubobmann der SPÖ im Nationalrat. In einem modernen Sitzungssaal nahm sich dieser Zeit für ein offenes Gespräch, beantwortete die zahlreichen Fragen ehrlich, authentisch und ohne Parteibrille. Es war dies eine unvergessliche Begegnung, die definitiv nicht alltäglich ist. Denn Kinder und Jugendliche im schulischen Kontext für Politik zu begeistern, ist meist wahrlich eine Herkulesaufgabe. Dem sympathischen und zugänglichen Philip Kucher ist das jedoch ganz locker gelungen.
Danach wurde es wieder etwas entspannter: zunächst ein Spaziergang zur Hofburg, dann ein bisschen Park-Chillen (eine unterschätzte Disziplin), und am Nachmittag ein gemütliches Flanieren rund um das Schloss Schönbrunn mit anschließendem Besuch im Tierpark. Am Abend wartete mit dem Musical „Phantom der Oper“ im Raimund Theater bereits das nächste kulturelle Highlight, das genau den Geschmack der top-gestylten Schülerinnen und Schüler traf, die sich dafür auch ordentlich in Schale warfen.
Und dann war er auch schon da, der Freitag. Vergeht die Zeit auf Reisen dermaßen schnell, so ist dies in der Regel ein klares Zeichen dafür, dass der Trip ein voller Erfolg ist. Zum krönenden Abschluss ging es noch in den Prater, wo sich viele Schülerinnen und Schüler noch dem puren Adrenalinkick hingaben. Es war dies ein würdiger Abschluss für eine ereignisreiche, tolle Woche voller Eindrücke, Erlebnisse und Erinnerungen, die mit Sicherheit noch im positivsten Sinne lange nachklingen werden. Und als hätte Wien selbst ein Auge zugedrückt, hielt das perfekte Wetter bis zur letzten Minute. Punktgenau bei der Abfahrt setzte der Regen ein. Zufall? Vielleicht. Oder, wie es so schön heißt: Wenn Engel reisen …
