Mittelschule St. Stefan ob Stainz

Foto: © Jakob Tscherne

„Autorenlesung“ – es ist dies üblicherweise kein Begriff, der SchülerInnen unverzüglich in grenzenlosen Jubel versetzt. Das dürfte sich nun jedoch schlagartig geändert haben. Denn als der junge Autor Colin Hadler loslegte, gab es nur noch eine Frage: „Wer ist denn dieser coole Typ?!“ Es stand den SchülerInnen förmlich ins Gesicht geschrieben. Dieser Autor ist eine große Nummer. In unnachahmlich humoristischer Weise erzählte Hadler, der bereits mit 17 Jahren sein erstes Buch veröffentlichte, aus seinem Leben und präsentierte dabei Auszüge seiner Werke, die mit einer atemberaubenden Portion Witz und Originalität aufhorchen lassen. Die SchülerInnen quittierten Hadlers Auftritt mit frenetischem Applaus. Das Redaktions-Team der Mittelschule St. Stefan ob Stainz bat den überaus talentierten und erst 22-jährigen Autoren deshalb im Anschluss zum spontanen Interview.

Colin, wolltest du eigentlich schon immer Autor werden?

Nein, eigentlich nicht. Ich bin in diesen Beruf wirklich reingerutscht. Es ist einfach irgendwie passiert. Ich wollte schon immer etwas Kreatives machen, ganz egal, ob Regisseur, ob ich Lieder oder Bücher schreibe. Das ist im Endeffekt egal. Eigentlich wollte ich Schauspieler werden. Ich habe auch viel Schauspielunterricht genommen und das baue ich jetzt auch in meinen Lesungen ein. Ich versuche außerdem, Sketche und Comedy in meine Bücher zu integrieren, das ist ja auch etwas Schauspielerisches in dem Sinn. Jetzt sind es aber primär die Geschichten, die mich antreiben.

Hast du noch einen anderen Beruf?

Meine Bücher und die Lesungen sind meine Haupteinnahmequelle. Ich studiere daneben noch Publizistik.

Colin Hadler bei seiner Lesung in der MS St. Stefan ob Stainz, © MS St. Stefan ob Stainz

Was war dein erstes Buch?

Das allererste Buch war „Hinterm Hasen lauert er“. Das habe ich mit 16 geschrieben.

Wie kommt man mit 16 dazu, ein Buch zu schreiben?

Mir war immer unfassbar langweilig als Kind. Ich würde also sagen, Langeweile war mein größter Antrieb. Gelesen habe ich eigentlich nicht allzu gerne, weil ich stets das Gefühl hatte, 90-Jährige schreiben für Jugendliche. Ich wollte aber auch nicht meckern, sondern lieber selbst etwas machen. Ich wollte als Jugendlicher für Jugendliche in Jugendsprache ein Jugendbuch schreiben. Ich hatte keine Ahnung, wie man ein Buch schreibt. Ich habe einfach angefangen mit einer ganz lustigen Familie und dann drauflosgeschrieben. Etwa in der Mitte des Buches habe ich dann aufgehört. Als ein Verlag dann meinte, dass sie gerne hätten, dass ich es fertig schreibe, dachte ich mir: Passt, das mach‘ ich. So kam mein erstes Buch zustande.

Hat es auf Anhieb geklappt? Oder war es eher ein Experiment von dir und du hast schließlich noch viel überarbeitet?

Ja, es hat gleich funktioniert. Es ist natürlich auch ein kleinerer Verlag gewesen. Inzwischen bin jetzt bei einem größeren Verlag in Deutschland. Dort kann es schon vorkommen, dass man viel ändern muss. Da kommst du mit einer Idee hin und die streichen beispielsweise Figuren raus.  Aber gleich am Anfang hat das tatsächlich wunderbar funktioniert. Das war natürlich auch der Aufhänger: Hey, ein 17-Jähriger schreibt ein Buch.

 

Foto: © Jakob Tscherne

Wo schreibst du deine Bücher eigentlich am liebsten?

Man stellt es sich immer so schön vor, aber meistens liege ich irgendwie auf der Couch, total verrenkt und sehe dabei aus wie Gollum. Eigentlich schreibe ich überall, wo ich kann und wann immer ich kann.

Was inspiriert dich beim Schreiben?

Alles, die Realität. Ganz speziell inspirieren mich meine Reisen. Man muss einfach mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen und aus allem eine gute Idee machen. Vielleicht inspiriert mich auch dieses Interview.

Wie lange brauchst du, um ein Buch zu schreiben?

Ein Jahr. Ein halbes Jahr für die Idee und ein halbes Jahr für das Schreiben. Bevor ich mich an das Schreiben mache, weiß ich alles schon: was alles passiert, wie sich die Kapitel gestalten usw. Bevor ich mit dem Schreiben beginne, habe ich die gesamte Story im Kopf. Zuerst gibt es immer eine Grundidee. Man könnte meinen, man benötigt für ein Buch eine grandiose, spektakuläre Idee, aber das braucht es gar nicht unbedingt. Es reicht schon eine kleine Idee, mit der man sich dann wochenlang beschäftigt und sich die Frage stellt: Was passiert dort? Was ist das Besondere daran? Was ist die besondere Komponente? Das ist wie Torte backen – Schicht für Schicht erstellt man das Buch.

Welches ist das beliebteste Buch von dir?

Das kommt darauf an – von der Bewertung her oder welches sich am besten verkauft hat? Ich habe das Gefühl, dass bei jungen Leuten vor allem mein erstes Buch (Anm. d. Red.: „Hinterm Hasen lauert er“) besonders gut ankommt, weil ich da selbst auch noch extrem jung war und deswegen auch sehr provokant geschrieben habe. Hinsichtlich Verkaufszahlen war es Ancora.

Und welches gefällt dir persönlich am besten?

Die meisten Autoren regen sich immer auf, wenn man ein Lieblingsbuch hat. Das sei doch wie bei Kindern, da könne man schließlich auch nicht sagen, welches man lieber hat. Ich sage: Doch, kann man. Natürlich kann man sagen, wer das Lieblingskind ist. Ich würde sagen, meines ist Ancora. Wenn man etwas Lustiges besser findet, dann ist wohl „Hinterm Hasen lauert er“, wenn man lieber auf Action steht, dann „Exilium“ die bessere Wahl.

Schreibst du auch Bücher nur für dich?

Nein. Ich weiß, es gibt Autoren, die schreiben sich Dinge von der Seele und auch ein bisschen zu therapeutischen Zwecken. Ich schreibe aber nur, damit es auch gelesen wird.

Was ist dir in deinen Büchern am wichtigsten?

Die Figuren. Und dass immer etwas passiert. Dass immer etwas Außergewöhnliches passiert. Wie kann man vorgefertigte Muster am besten durchbrechen? Was könnte stattdessen passieren? Mir ist besonders wichtig, Erwartungen der LeserInnen zu durchbrechen.

Hast du vor, immer Bücher für Kinder zu schreiben oder würdest du auch gerne für Erwachsene schreiben?

Ich sage immer, ich schreibe Bücher für die Omas, die es für ihre Enkel kaufen. Als ich angefangen habe, war ich 16, da war ich selbst noch ein Jugendlicher und wollte nicht für Erwachsene schreiben. Ich war ja selbst noch nicht erwachsen. Ich habe aber schon vor, in näherer Zukunft auch für junge Erwachsene, ich denke da etwa an 20-29-Jährige, zu schreiben.

Welchen Tipp hast du für all jene, die womöglich selbst einmal schreiben möchten?

Das Wichtigste ist, das man dranbleibt. Stephan King hat einmal gesagt, der erste Entwurf ist immer schlecht. Es geht darum, zunächst alles herunterzuschreiben und dann zu überarbeiten. Ich bin der Meinung, man sollte sein Ding dann einfach durchziehen und sich nicht allzu viel einreden lassen – ganz egal, was andere sagen.

Colin, vielen Dank für das Interview.

Sehr gerne.

Das Interview führten SchülerInnen der 3ab im Zuge des Wahlpflichtfaches „Redaktion“.